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Zum Thema “Arabisch - islamischer Terrorismus” von: Sudauer 29.08.2006
Lieber Mischa!
Erstmal meine Anerkennung für die fleißige Arbeit, auch wenn ich in vielem anderer Meinung bin. Meine Bemerkungen beziehen sich auf den Teil Terrorismus und die folgenden Abschnitte.
1.Die Ausführungen zum arabischen Terrorismus, seiner Strukturen und Aktivitäten (insbes. innerhalb der arabisch-muslimischen Bevölkerung) fand ich sehr informativ und interessant. Was Deine Bemühungen betrifft, den Terrorismus allgemein zu definieren und von dem der Guerilla abzugrenzen, habe ich Bedenken, dass diese Bemühungen zu relevanten Ergebnissen führen können. M.E. ist der Begriff Terror allgemein ein ebenso leerer Begriff wie der der Diktatur. Beide müssen k o n k r e t definiert werden, wenn man nicht bei der Beschreibung rein formaler Merkmale oder Erscheinungen enden will . Aber man setzt sich dabei immer der Gefahr aus, ungewollt in politisch falsches Fahrwasser zu geraten, wie die heutige Praxis in den Nazi-Konzentrationslagern zeigt, wo nämlich der Opfer des braunen wie des roten Terrors angeblich vorurteilsslos gedacht wird.
2. Armut, kulturelle Rückständigkeit und Ausbeutung der Naturresourcen durch die Industrieländer usw. gibt es sowohl in der arabischen Welt als auch in Afrika, Südamerika usw., aber der internationale Terrorismus geht vorzugsweise von der arabisch-muslimischen Welt aus. Das ist zweifellos so. Aber daraus zu schlußfolgern, dass es genügt, die Ajatollas, Mullas und deren Gehilfen zu bekämpfen, kann nicht richtig sein. Denn der Nährbodendes Terrorismus ist und bleibt die elende Lage eines Großteils der Bevölkerung, die wohl schon die Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf Erden verloren hat und auf die Glückseeligkeit als Märtyrer im Himmel hofft. Nachhaltige Bemühungen zur Eindämmung der furchtbaren Bedrohung, die vom internationalen Terrorismus ausgeht, werden letzten Endes nur Erfolg haben, wenn die Menschen überzeugt werden können, dass sie eine lebenswerte und realistische Perspektive für ihr Leben haben. Das ist meine feste Überzeugung.
3.In dem Zusammenhang kommt mir noch ein anderer Gedanke. Beim Lesen Deines Aufsatzes hatte ich den Eindruck, daß Du den Islamismus der Gegenwart in der historischen Offensive siehst.,d.h. er greift die westliche Welt (die Unläubigen) an, die sich verteidigen muss. Aber kann es nicht auch umgekehrt sein, daß die Ajatollas aus einer Defensivposition die Anschläge planen, weil die Globalisierung, die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten, eigentlich die gesamte westliche Lebensweise mit all ihren Vorzügen und Nachteilen die Grundlagen der archaischen Strukturen und damit ihre Macht bedrohen? Wenn das der Fall ist, so ist es um so mehr geboten, den Kampf gegen die Gotteskrieger so zu führen, daß deren Führer isoliert werden von den einfachen gläubigen Moslems und es nicht zur Solidarisierung und Festigung bzw. Abgrenzung der religiösen Gemeinschaften von der übrigen Bevölkerung kommt, wie dies jüngst im Libanon (und wohl nicht nur dort) zu beobachten war bzw. ist.
4. Ich sehe natürlich genauso wie Du, daß heute die Existenz Israels mehr denn je bedroht ist und die Bedrohung aus mehreren Gründen in der nächsten Zukunft wachsen wird. Also Zeit zum Handeln! Höchste Zeit!! Aber ich gebe Gewaltlösungen des Konflikts keine Chance, einfach deshalb, weil der Nährboden der Konflikte auf diese Weise nicht beseitigt werden kann. Es ist doch eine Illusion zu glauben, daß mit der Beseitigung von Nasralah im Libanon, der Hamasführer in Palästina, des verrückten Ministerpräsidenten im Iran usw. die Gefahr von Vernichtungsschlägen gegen Israel gebannt werden kann. Ein Krieg gegen die islamischen Milizen führt im Endeffekt aus den gleichen Gründen nur zu deren Stärkung. Was also bleibt?
Offenbar müssen in internationalen Verhandlungen Kompromisse gefunden werden, die die Interessen a l l e r an den Konflikten Beteiligten berücksichtigen, wobei dies immer mit Opfern aller Seiten verbunden ist. Diese Kompromisse müssen langfristig wirken und durch eine umfassende materielle Hilfe, die der armen Bevölkerung eine lebenswerte Perspektive eröffnet, untermauert werden.
Das kann nur erreicht werden, wenn
-alle in die Konflikte beteiligten Staaten einbezogen werden
-die gesamte internationale Gemeinschaft unter Verantwortung der UNO beteiligt ist
-eine über viele Jahre währende und auf jeweilige Etappenziele gerichtete Zusammenarbeit ins Auge gefasst wird.
In der hiesigen Presse las ich vom Vorschlag, eine Konferenz ähnlich der "Konferenz für Sicherheit und europöäische Zusammenarbeit" einzurichten. Vorrangig müssten sicher solche Probleme gelöst werden, wie Auflösung der arabischen Milizen und deren Einbeziehung in den politischen Prozeß der betreffenden arabischen Länder sowie die Beseitigung der atomaren Bedrohung durch Iran durch Schaffung einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten, was sicher z.Zt.in Israel auf starken Widerstand stößt und nur durch viele vertrauensbildende Maßnahmen erreicht werden kann. Solche Vorschläge sind realistisch, weil von ihrer Verwirklichung das Leben von Millionen Menschen abhängt. Deshalb können sie gar nicht illusionär sein.
Lieber Micha, (S. Hegner email v. 22.12.06)
Die Themen Naher Osten, Israel,Existenzrecht von Juden und Palästinensern, Iran ... und alle damit verbundenen Fragen habe ich, soweit in der Presse oder Internet für mich Informationen erreichbar waren, mit viel Interesse verfolgt. Trotzdem ist es schwer für mich, mir eine nicht ideologielastige Meinung zu bilden und manche Haltungen zu begreifen. Es bleibt die Frage offen, wie das Knäuel zu entwirren ist. Die sogenannte Informationsgesellschaft desinformiert uns zunehmend mehr, die Interessen der einzelnen Mächte sind so erheblich.
Möge es 2007 zu keiner Eskalation kommen und mögen sich Annäherungen ergeben.
Lesermeinungen
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